07 Dezember 2005

Von Kennern und Genießern

Kürzlich war ich auf Geschäftsreise in Bonn, wo ich in einem Hotel übernachtete, in dem ein Kubaner, vornehmlich des Nachts, an der Rezeption seinen Dienst tut. Es war übrigens der Tag, (oder eher die Nacht), als "wir Bundeskanzlerin wurden".

Während ich mir nach harter Arbeit ein wohlverdientes Bier an der Bar genehmigte (das mir übrigens leider gar nicht schmeckte; keine Ahnung ob es daran lag, dass es ein Kölsch oder ich erkältet war), erzählte der Kubaner eine Anekdote, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

In seinem Früheren Leben war er in seiner Heimat als Reiseführer tätig, und dazu gehörte natürlich auch, Massen von Touristen durch die berühmten Zigarren-Manufakturen zu schleusen, in denen (wie der Name "Manufaktur" schon andeutet) die berühmten kubanischen Zigarren handgefertigt werden.
Eben dieser Kubaner, der sich aufgrund seiner Vergangenheit also zwangsläufig ein wenig im Zigarrengeschäft auskennt, hat nun einmal miterlebt, wie eine paar Schweizer genüsslich Zigarren rauchten und dabei Kommentare von sich gaben wie "Hm, dieser Geschmack! Eine echte 'Romeo y Julieta'!!", oder "Der typische Geschmack einer 'Cohiba'!!". Also echte Kenner, diese Schweizer - sollte man meinen.

Nun kam es jedoch des öfteren vor, dass unser Kubaner bei Führungen mitbekommen hat, wie ein Zigarrendreher meinte: "Die Banderolen für 'Romeo y Julieta' sind aus, also machen wir jetzt mit 'Cohiba' weiter!". Die Banderolen übrigens, für diejenigen die's nicht wissen, sind die Bauchbinden, die um eine fertige Zigarre gerollt werden. Neben der Banderole ist das einzige, was die verschiedenen Zigarrensorten einer Fabrik unterscheidet, das Tabak-Deckblatt. Diese Deckblätter können unterschiedliche Farben haben, sind aber völlig geschmacksneutral. Der Inhalt der Zigarre, also die Tabakblätter, die den tatsächlichen Geschmack ausmachen, bleibt gleich, es werden lediglich andere Banderolen und Deckblätter benutzt.

Erstaunlich also, dass die Kenner die Zigarren trotzdem am Geschmack erkennen! Ich möchte ja nicht pauschal vervorurteilen, dennoch kommt bei mir fast der Verdacht auf, dass es sich hierbei um dieselbe Gattung von Kennern handelt, wie bei denen, die zum Beispiel eine von Affen mit Farben beworfene Leinwand für ein wertvolles Gemälde der modernen Kunst halten. (Oder war letzteres nur schon wieder so eine Urbane Legende?!?)